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6. Mai 2024
Fritz-Karsen-Schule

Feldnotizen 6. Mai 2024 (Auszug)
von Maggie Schneider

Neues Projektthema: Gemeinschaft. [ZU HAUSE!]

Die Schüler*innen erhalten die Aufgabe, einen Text über den Weg zu dem Ort zu schreiben, an dem sie sich zu Hause fühlen. Währenddessen sollen einzelne Schüler*innen zu Julian Karnetzky gehen, der mit ihnen in einem Nebenraum Tonaufnahmen macht. […] Die Interviews, die in dieser Stunde aufgenommen werden, basieren auf einem Arbeitsblatt, das die Schüler*innen in der Stunde zuvor erhielten. Es stellt einen Fragebogen mit dazugehörigen Beispielantworten dar. Die Fragen drehen sich um die sinnliche Wahrnehmung des Zuhauses. Wie riecht es, wie schmeckt es, wie fühlt es sich an?



Hm, denke ich – wie schmeckt mein Zuhause? Wie riecht es und wie fühlt es sich an? […] Mein Zuhause hat viele Facetten und ich liebe es dafür. Bei dem Versuch, diese Fragen zwischen Tür und Angel zu beantworten, merke ich, wie schwierig das Beschreiben einer sinnlichen Erfahrung ohne tatsächliches Erleben ist. Ich frage mich, wie es den Schüler*innen damit geht.

Nachdem mir meine Position als vollkommen fremde Beobachterin unangenehm bewusst wird und ich aufgrund begrenzter Kenntnisse über das Projekt keine konkrete Bindung zu den Schüler*innen aufbauen kann, beschließe ich, mich zu den Aufnahmen der „Interviews“ zu setzen.


Der Interviewraum sieht ganz anders aus als der Klassenraum. Er ist hell, hat große Fenster, die den Blick auf grüne Laubbäume freigeben. Die Sonne scheint durch die Bäume in den Raum, der den Schüler*innen sonst als Aufenthalts- und Rückzugsort dient. Von Podesten, über Stühle bis hin zu Couches, gibt es unterschiedliche Sitzgelegenheiten. Oben an den Wänden hängen gerahmte Bilder, die Wände sind blau und die Atmosphäre trotz kühler Farben angenehm entspannt.

[…]

Nach etwas Überredung erklärt sich eine Schülerin dazu bereit, uns von ihrem zu Hause zu erzählen (und Aufnahmen zu machen). Die Schülerin stellt allerdings die Bedingung, dass ihre Freundin mitkommen soll.

Sie äußert, dass sie nicht weiß, was genau wir von ihr wollen. Sie redet leise. Julian versucht, der Schülerin zu erklären, worum es hier geht. Er sagt, dass es hier keine richtigen oder falschen Antworten gebe und dass sie versuchen solle, sich auf die Fragen einzulassen und uns nicht als beurteilende Personen zu sehen. Sie sei in keiner Bewertungssituation, wir seien eher neugierig. Daraufhin gelingt es der Schülerin etwas besser, frei zu reden. Sie spricht durchaus positiv über ihr zu Hause, also die Wohnung ihrer Eltern und ihr. Einige Male gerät sie ins Stocken, da sie die Impulse nicht ganz versteht. „Wonach schmeckt denn ein Zuhause?“

Die Suche nach einer vierten Person gestaltet sich einfacher. Ein Schüler scheint bereits darauf zu warten. Er setzt sich auf die Couch und hört Julians Einführung in die kommenden Aufnahmen an. Er stellt fest: „Also wie ein Podcast!“ Julian lächelt: „Genau, wie ein Podcast!“ Ruhig und konzentriert beginnt der Schüler mit seinen Ausführungen, wobei er sich sehr an seine Notizen hält. Er antwortet sehr kurz und knapp. Julian fragt ihn in einer Aufnahmepause, ob er eventuell etwas ausführlicher werden könne und er erwidert, dass er damit Probleme habe. […]

Julian und der Schüler beginnen, über die einzelnen Impulse zu sprechen. Wie soll ein Zuhause schmecken? Julian versucht, dem Schüler gerade weitere Impulse zu vermitteln, da kommt er in den Redefluss und sagt: „Naja mein zu Hause schmeckt wie Cevapcici.“ Manchmal sei es etwas bitter, aber so wäre es nun mal – es schmecke eigentlich trotzdem immer gut. Warm und gut. Julian und ich gucken uns begeistert an: „Perfekt! Kannst du das noch mal genauso für die Aufnahmen sagen?“