Text: Celina Täge
>> Die Kartierung als Mittel der Begleitforschung zu „Kom·fort“
>> Über „Kom·fort“
>> Der Klassenraum als Mikrokosmos in der Klimakrise
>> Künstlerische Praktiken
>> Das Projekt „Kom·fort“: der künstlerische Forschungsprozess
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Die Kartierung als Mittel der Begleitforschung zu „Kom·fort“
In dem Projekt mit dem Titel „Kom·fort“ gestaltet eine Klasse (7.-9. Jg.) der Evangelischen Schule Berlin Zentrum zusammen mit den Künstler*innen Marta Sala und
Marcos Garzia Pérez ihre Lernumgebung nachhaltig um. Dabei setzen sich die Schüler*innen mittels künstlerischer Forschung mit verschiedenen Aspekten der Umgestaltung
auseinander. Begleitend zu diesem Projekt haben Kunst-Lehramts-Studierende der UdK Berlin unter Leitung von Prof. Dr. Nanna Lüth die Projektdurchführung teilnehmend
beobachtet und dokumentiert. Um eine Perspektive der Schüler*innen einfangen zu können, wurde am letzten Projekttag der Umgestaltungsprozess noch einmal mittels
einer Kartierung des Klassenraums reflektiert.
Kartierungsverfahren umfassen eine Vielzahl von Techniken und Methoden, die verwendet werden, um Informationen über geographische, soziale, wirtschaftliche und
ökologische Aspekte eines Gebiets zu sammeln und darzustellen. Sie sind hilfreich, um ein umfassendes Verständnis der Wechselwirkungen zwischen verschiedenen
Elementen eines Systems zu entwickeln. In Bezug auf nachhaltige Prozesse helfen Kartierungen dabei, Ressourcen zu identifizieren und die Bedürfnisse der Gemeinschaft zu erfassen.
Zur Reflexion von „Kom·fort“ wurde ein großer Bogen Papier mit dem Grundriss des Klassenzimmers und den Namen der besuchten Exkursionsorte versehen.
Die Schüler*innen wurden eingeladen, Klebezetteln zu beschriften und an einer passenden Stelle auf der Karte anzubringen.
Vier Sätze leiteten das Kommentieren an: Worum geht es hier? Das hat mir gut gefallen. Das habe ich nicht verstanden. Das hätte ich mir noch gewünscht.
So verzeichneten alle Schüler*innen ihre Wahrnehmungen und Erfahrungen in dem Projekt
(vgl. Mikki Muhr 2012:
SICH VERZEICHNEN. Mit Karten sich im Zwischenraum orientieren. Eine künstlerische Methode für reflexive Bildungsprozesse,
siehe hier)
Die digitale Darstellung der studentischen Begleitforschung zu „Kom·fort“ verwendet Elemente aus der Kartierung mit den Schüler*innen.
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Über „Kom·fort“
Das Klassenzimmer, also der Ort an dem Schüler*innen einen Großteil ihrer Zeit verbringen (müssen), sollte eigentlich ein Raum sein, der vielen Bedürfnissen gerecht wird:
dem Bedürfnis, konzentriert lernen zu können, dem Bedürfnis, in Kommunikation zu treten, dem Bedürfnis, sich auszuruhen und vor allem auch dem Bedürfnis, diesen Raum mitzugestalten.
Gleichzeitig gehen in einer Zeit, in der auch diese junge Generation mit den Folgen der Klimakrise konfrontiert sind, mit der Neugestaltung eines solchen Lebensraums auch
Fragen der Nachhaltigkeit einher.
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Der Klassenraum als Mikrokosmos in der Klimakrise
Der Klassenraum – ein Raum, der auf den ersten Blick nicht mehr ist als vier Wände, eine Tafel, Stühle und Tische, gefüllt mit jungen Menschen und ein oder zwei Erwachsenen.
Doch dieser Ort ist mehr als nur eine physische Umgebung; er ist ein Mikrokosmos der Gesellschaft, ein Spiegel kollektiver Hoffnungen und auch Ängste. Ein Klassenraum kann als
Metapher für die menschliche Lebenswelt betrachtet werden – ein System mit begrenzten Ressourcen, in dem alle Platz finden müssen. Die Klimakrise wird durch „Bildung für nachhaltige
Entwicklung“ (BNE) immer mehr ein Teil des Unterrichts. Sie ist kein separates Thema mehr, sondern ein zentraler Teil des Lehrplans. Wie werden die Schüler*innen in einer Welt
unterrichtet, die sich im ständigen Wandel befindet? Wie wird die Dringlichkeit und Komplexität der Probleme vermittelt, ohne Angst zu schüren, sondern Hoffnung und Handlungsfähigkeit
zu fördern?
Die Umweltprobleme, mit denen die Menschheit konfrontiert ist, sind global, und doch beginnen Lösungen oft auf lokaler Ebene. In dieser Umgebung lernen die Schüler*innen nicht
nur Fakten und Zahlen, sondern auch, wie sie mit ihren Mitmenschen und der Natur umgehen. Hier werden wichtige Grundlagen für die zukünftigen Entscheidungen jüngerer Generationen
gelegt. Schüler*innen können im Klassenraum lernen, dass jede Entscheidung zählt, und dass jede Handlung Auswirkungen hat. Sie werden sich so der Tatsache bewusst, dass sie als
Individuen Teil eines größeren Ganzen sind und dass ihre Entscheidungen im Kleinen das Große beeinflussen können. Der Klassenraum wird so zu einem Ort der Transformation, an dem
nicht nur Wissen, sondern auch Selbstwirksamkeit vermittelt wird.
Ein Klassenraum ist mehr als nur ein physischer Ort; er ist ein Erlebnis, ein Treffpunkt für Gedanken, Kreativität und Austausch. Ein solcher Ort sollte eine Atmosphäre schaffen,
die zum Nachdenken und Handeln inspiriert. Er muss flexibel sein, um verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Wichtig ist, dass diese Räume auch als Plattformen für den
Austausch von Ideen und die Förderung von umweltbewusstem Verhalten dienen.
Der Klimawandel stellt vor allem die Mitglieder wohlhabender Nationen wie Deutschland vor die Herausforderung, ihre Lebensweise grundlegend zu überdenken. Komfort, oft als das
Streben nach Bequemlichkeit und Annehmlichkeiten verstanden, spielt in diesem Kontext eine entscheidende Rolle. In vielen privilegierten Gesellschaften geht Komfort mit hohem
Energieverbrauch und der intensiven Nutzung von Ressourcen einher – Online-Versand, Einwegprodukte und dergleichen sind hier Teil des alltäglichen Lebens und werden als
Selbstverständlichkeit betrachtet.
Einerseits ist das Streben nach Komfort ein menschlicher Antrieb, der zur Verbesserung von Lebensqualität beitragen kann. Andererseits führt ein übermäßiges Streben nach
Komfort zu ungleich verteilten Umweltbelastungen und trägt maßgeblich zum Klimawandel bei.
Indem wir den Begriff des Komforts erweitern und umweltfreundliche Praktiken integrieren, kann die Bewertung des Begriffs etwas verändert werden. Komfort sollte somit nicht das Privileg einiger weniger sein, sondern ein gemeinsames Gut, das allen zur Verfügung steht. Dies erfordert eine integrative Planung, die Barrierefreiheit, Inklusion, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt. Künstlerische Praktiken können hierbei eine Schlüsselrolle spielen, indem sie neue Perspektiven eröffnen und kreative Möglichkeiten durchspielen.
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Künstlerische Praktiken
Doch wie können Handlungen, die Teil des Alltags einer Schulklasse werden, zur Eindämmung der Klimakrise beitragen? Diese Frage führt zu einigen Grundlagen der Nachhaltigkeit:
der bewussten Nutzung von Ressourcen, der Vermeidung von Müll und Verschwendung, der Förderung von Recycling und Wiederverwendung. Jede Handlung, die zur Verbesserung der
lokalen Umwelt beiträgt, kann einen größeren Effekt haben.
Künstlerische Aktivitäten wie gemeinschaftliche Kunstprojekte, Installationen oder Performances können nicht nur das Bewusstsein für Umweltfragen schärfen, sondern auch die
Kreativität und das Engagement der Beteiligten fördern. Kunst bietet eine Plattform, um komplexe Themen auf zugängliche und inspirierende Weise zu vermitteln.
Kunst hat die Fähigkeit, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten und Veränderungen anzustoßen. In dem Projekt werden daher künstlerische Praktiken genutzt,
um die Schülerinnen und Schüler zu ermutigen, über den Tellerrand hinauszuschauen und innovative Lösungen für ihre Umgebung zu entwickeln. Kunst kann als Katalysator wirken,
um die Grenzen des Gewohnten zu überschreiten und neue Wege des Denkens und Handelns zu erkunden.
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Das Projekt „Kom·fort“: der künstlerische Forschungsprozess
Der künstlerische Forschungsprozess im Rahmen von „Kom·fort“ findet entlang folgender Impulsfragen statt:
Wie können Orte so gestaltet werden, dass sie den Austausch über Klimaschutz fördern, geringe Belastung der Umwelt und künstlerisches Handeln unterstützen?
Können lokale Aktionen global wirken?
Welche Handlungen können alltäglich ausgeübt werden, um die Klimaerwärmung zu stoppen?
Wie können wir es mit Komfort machen?
Wie kann Komfort für alle Menschen erreichbar werden?
Wie können künstlerische Praktiken dabei helfen?
Für die Bearbeitung werden verschiedene, künstlerische Forschungsansätze verbunden: Die Klasse benennt ihre Sichtweise von Problemen, die Umgebung wird untersucht, der Alltag analysiert und das Schulpersonal wird befragt. Als Inspiration dienen auch einige Exkursionen, die aufzeigen, welche Lösungen es ggf. schon innerhalb Berlins gibt. Für die Umgestaltung werden schließlich Bedürfnisse und Möglichkeiten analysiert und daraus Handlungsoptionen entwickelt.
Im Prozess der Umgestaltung werden schließlich verschiedene künstlerische Praktiken zu Hilfe genommen, die beispielsweise die Nachhaltigkeit von Upcycling oder Reparatur verdeutlichen. So werden verschiedenen Techniken wie Zeichnen, Collagieren, Weben, Bauen, Malen, kreative Schreiben und Methoden des Gemeinschaffens (Commoning) ausprobiert.
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